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Jüdisch-christliches Kulturprojekt: dass sie leben

Kantate auf biblische Texte

und Yitzhak Katzenelsons „Lied fumn ojsgehargeten jidschn Folk“ für Tenor, Bariton und
gemischten Chor a cappella
Aufführungsdauer: ca. 60 Minuten

Das Werk ist bei Cantate auf CD erschienen. Sie können Die CD hier zum Preis von 18.99 € bestellen.

„Aufeinander zugehen“ – dies ist der Leitgedanke des Werkes „...dass sie
leben“.
Die A-cappella-Kantate (1999) entstand aus der Begegnung des jüdischen Kom­ponisten Joseph Dorfman (Tel Aviv) mit dem protestantischen bildenden Künstler Gero Hellmuth (Singen) und dem katholischen Diri­genten Stefan Schuck (Berlin). Gero Hellmuth 19 Fahnen
In Hellmuths Auschwitz-Zyklus sind Bilder, Assemblagen und Skulpturen zusammengefasst. Im Mittelpunkt steht die Zahl ...19... – als Teil einer KZ-Häftlingsnummer und als Symbol des zur Nummer degradierten Menschen. Dorfman wurde durch diese Kunstwerke zu seiner Kantate angeregt. Schuck brachte die Komposition im Mai 2003 im Rahmen des ökumenischen Kirchentages in Berlin zur Ur­auf­führung – gemeinsam mit dem Vokalensemble sirventes berlin (damals: Solistenensemble der Kirche Am Hohenzollernplatz) und den Solisten Yossi Aridán (Tenor) und Motti Kastón (Bariton). Dazu wurde Hellmuths Auschwitz-Zyklus ausgestellt.

Die von Joseph Dorfman komponierte siebensätzige Kantate ist eine Vertonung von alttestamentarischen Texten aus den Büchern Hiob, Hesekiel, Jeremias, den Psalmen sowie Ausschnitten des jiddischen Portrait Joseph Dorfman„Lied fumn ojsgehargeten jidschn Folk“. Dieser „Große Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“ wurde vom großen Dichter des Lodzer Ghettos Yitzhak Katzenelson (1886 – 1944) in Flaschen versteckt unter einem Baum vergraben; eine Kopie wurde – in einen Koffergriff eingenäht – nach Israel geschmuggelt. Katzenelson selbst wurde im Mai 1944 in Auschwitz ermordet. Wie durch ein Wunder blieben beide Exemplare seiner Dichtung erhalten.
„...dass sie leben“ baut eine Brücke zwischen Judentum und Christentum: Im Mittelpunkt steht das Gestalten eines friedlichen Miteinanders nach dem Holocaust. Das Werk wendet sich in Deutsch, Hebräisch, Jiddisch und Russisch an alle, denen ein in die Vergangenheit gerichtetes Gedenken an die Shoa zu wenig ist und die bereit sind für ein aktives gegenseitiges Annähern. Das gemeinsame Thema der Kunstwerke Hellmuths und der Komposition Dorfmans ermöglicht eine eigene historische und religiös-kulturelle Auseinandersetzung.

Der interreligiöse Dialog und die interkulturelle Arbeit erscheinen gerade durch die aktuellen religiösen und kulturellen Konflikte notwendiger denn je. Sich auf gemeinsame Wurzeln und Werte zu besinnen, das Verbindende wie Trennende deutlich zu machen, über die Vergangenheit in die Zukunft zu schauen – diesen Idealen fühlt sich „...dass sie leben“ verpflichtet.
Für dieses Engagement wurde das Projekt im Oktober 2004 mit dem Anerkennungspreis des Kulturförderkreises Singen-Hegau ausgezeichnet.